Cicero: De Amicitia – Kapitel 28 – Übersetzung

Lateinischer Text: Deutsche Übersetzung:
Kapitel 28
Nihil est enim virtute amabilius, nihil quod magis adliciat ad diligendum, quippe cum propter virtutem et probitatem etiam eos, quos numquam vidimus, quodam modo diligamus. Nichts ist nämlich liebenswerter als Tugend, es gibt nichts, was mehr zum Lieben anlockt, weil wir wohl wegen der Tugend und der Rechtschaffenheit auf eine gewisse Weise sogar die lieben, die wir niemals gesehen haben.
Quis est qui C. Fabrici, M‘. Curi non cum caritate aliqua benevola memoriam usurpet, quos numquam viderit? Wen gibt es, der sich nicht an Gaius Fabricus, Manius Curus mit irgendeiner wohlwollenden Hochachtung erinnert, obwohl er sie niemals gesehen hat?
Quis autem est, qui Tarquinium Superbum, qui Sp. Cassium, Sp. Maelium non oderit? Wen aber gibt es, der Tarquinius Superbus, der Sp. Cassius, Sp. Maelius nicht hasst?
Cum duobus ducibus de imperio in Italia est decertatum, Pyrrho et Hannibale: Ab altero propter probitatem eius non nimis alienos animos habemus, alterum propter crudelitatem semper haec civitas oderit. Mit zwei Führern wurde in Italien um die Herrschaft gekämpft, Pyrrhus und Hannibal: gegenüber dem einen haben wir wegen seiner Rechtschaffenheit keine allzu große Abneigung, den anderen wird diese Bürgerschaft wegen seiner Grausamkeit immer hassen.

Cicero: De Amicitia – Kapitel 29 – Übersetzung

Lateinischer Text: Deutsche Übersetzung:
Kapitel 29
Quod si tanta vis probitatis est ut eam vel in iis quos numquam vidimus, vel, quod maius est, in hoste etiam diligamus, quid mirum est, si animi hominum moveantur, cum eorum, quibuscum usu coniuncti esse possunt, virtutem et bonitatem perspicere videantur? Wenn es nun demnach eine so große Gewalt der Rechtschaffenheit gibt, dass wir diese sowohl bei denen, die wir niemals gesehen haben, als auch, was noch größer ist, sogar bei einem Feind lieben, was ist es sonderbar, wenn die Herzen der Menschen bewegt würden, wenn sie glauben die Tugend und Güte derer zu erkennen, mit denen sie durch den Umgang verbunden sein können?
Quamquam confirmatur amor et beneficio accepto et studio perspecto et consuetudine adiuncta, quibus rebus ad illum primum motum animi et amoris adhibitis admirabilis quaedam exardescit benevolentiae magnitudo. Freilich wird die Liebe sowohl durch eine empfangene Wohltat, als auch durch eine erkannte Neigung als auch durch eine verbundene Gewohnheit gestärkt werden, nachdem diese Dinge zu jener ersten Bewegung des Herzens und der Liebe dazu genommen worden sind, entbrennt eine gewissen wunderbare Größe des Wohlwollens.
Quam si qui putant ab imbecillitate proficisci, ut sit per quem adsequatur quod quisque desideret, humilem sane relinquunt et minime generosum, ut ita dicam, ortum amicitiae, quam ex inopia atque indigentia natam volunt. Wenn irgendwelche Leute glauben, dass dies von der Schwäche ausgeht, damit es jemanden gibt, durch den jeder erreicht, was er sich wünscht, lassen sie wahrlich einen niedrigen und keineswegs, wie ich so sagen mag, einen edlen Ursprung der Freundschaft übrig, von der sie wollen, dass sie aus Not und Bedürfnis geboren ist.
Quod si ita esset, ut quisque minimum esse in se arbitraretur, ita ad amicitiam esset aptissimus; quod longe secus est. Wenn es nun so wäre, dann wäre jeder umso geeigneter für die Freundschaft, je weniger er glaubt, dass in ihm steckt; das ist bei weitem anders.
Eingereicht von Benjamin