Vergil – Aeneis – Liber secundus – Vers 201-267 – Übersetzung

Laocoon, ductus Neptuno sorte sacerdos,
sollemnis taurum ingentem mactabat ad aras.
ecce autem gemini a Tenedo tranquilla per alta
(horresco referens) immensis orbibus angues
incumbunt pelago pariterque ad litora tendunt; 205
pectora quorum inter fluctus arrecta iubaeque
sanguineae superant undas, pars cetera pontum
pone legit sinuatque immensa uolumine terga.
fit sonitus spumante salo; iamque arua tenebant
ardentisque oculos suffecti sanguine et igni 210
sibila lambebant linguis uibrantibus ora.
diffugimus uisu exsangues. illi agmine certo
Laocoonta petunt; et primum parua duorum
corpora natorum serpens amplexus uterque
implicat et miseros morsu depascitur artus; 215
post ipsum auxilio subeuntem ac tela ferentem
corripiunt spirisque ligant ingentibus; et iam
bis medium amplexi, bis collo squamea circum
terga dati superant capite et ceruicibus altis.
ille simul manibus tendit diuellere nodos 220
perfusus sanie uittas atroque ueneno,
clamores simul horrendos ad sidera tollit:
qualis mugitus, fugit cum saucius aram
taurus et incertam excussit ceruice securim.
at gemini lapsu delubra ad summa dracones 225
effugiunt saeuaeque petunt Tritonidis arcem,
sub pedibusque deae clipeique sub orbe teguntur.
tum uero tremefacta nouus per pectora cunctis
insinuat pauor, et scelus expendisse merentem
Laocoonta ferunt, sacrum qui cuspide robur 230
laeserit et tergo sceleratam intorserit hastam.
ducendum ad sedes simulacrum orandaque diuae
numina conclamant.
diuidimus muros et moenia pandimus urbis.
accingunt omnes operi pedibusque rotarum 235
subiciunt lapsus, et stuppea uincula collo
intendunt; scandit fatalis machina muros
feta armis. pueri circum innuptaeque puellae
sacra canunt funemque manu contingere gaudent;
illa subit mediaeque minans inlabitur urbi. 240
o patria, o diuum domus Ilium et incluta bello
moenia Dardanidum! quater ipso in limine portae
substitit atque utero sonitum quater arma dedere;
instamus tamen immemores caecique furore
et monstrum infelix sacrata sistimus arce. 245
tunc etiam fatis aperit Cassandra futuris
ora dei iussu non umquam credita Teucris.
nos delubra deum miseri, quibus ultimus esset
ille dies, festa uelamus fronde per urbem.
Vertitur interea caelum et ruit Oceano nox 250
inuoluens umbra magna terramque polumque
Myrmidonumque dolos; fusi per moenia Teucri
conticuere; sopor fessos complectitur artus.
et iam Argiua phalanx instructis nauibus ibat
a Tenedo tacitae per amica silentia lunae 255
litora nota petens, flammas cum regia puppis
extulerat, fatisque deum defensus iniquis
inclusos utero Danaos et pinea furtim
laxat claustra Sinon. illos patefactus ad auras
reddit equus laetique cauo se robore promunt 260
Thessandrus Sthenelusque duces et dirus Vlixes,
demissum lapsi per funem, Acamasque Thoasque
Pelidesque Neoptolemus primusque Machaon
et Menelaus et ipse doli fabricator Epeos.
inuadunt urbem somno uinoque sepultam; 265
caeduntur vigiles, portisque patentibus omnis
accipiunt socios atque agmina conscia iungunt.


Deutsche Übersetzung:
Tod des Laokoon (Buch 2)
Laokoon, der durch das Los zum Priester für Neptun bestimmt worden war, war gerade dabei auf den festlich geschmückten Altären einen gewaltigen Stier zu schlachten. Siehe aber, ein Schlangenpaar legt sich von Tenedus über die ruhige See (ich schaudere wenn ich davon berichte) in ungeheuren Windungen auf das Meer und strebt zugleich an die Küsten. Ihre Brust, die zwischen den Fluten aufgerichtet ist, und ihr blutroter Kamm ragt über die Wellen, der übrige Teil streift hinten über das Meer und windet den riesigen Rücken in einer ungeheuren Krümmung. Es entsteht ein Rauschen durch die schäumende Salzflut; und schon erreichten sie die Gestade und, die glühenden Augen von Blut und Feuer unterlaufen, lecken sie mit zuckenden Zungen ihr zischendes Maul. Wir fliehen bleich durch den Anblick auseinander. Jene griffen zielsicher Laokoon an; und zuerst umschlingen beide Schlangen die kleinen Körper der beiden Söhne und umwickeln sie und verzehren die armen Glieder mit ihren Bissen; dann ergreifen sie ihn selbst, der zur Hilfe kam und ein Wurfgeschoß brachte, und sie umschlingen ihn mit gewaltigen Windungen; und nachdem sie ihn schon zweimal in der Mitte umschlungen haben und zweimal ihre schuppigen Rücken um seinen Hals gelegt hatten, ragen sie mit dem Kopf und den hohen Nacken empor. Jener bemühte sich gleichzeitig mit den Händen die Knoten zu zerreißen, seine Priesterbinden überzogen sich mit Geifer und schwarzen Gift und gleichzeitig erhobt er ein schreckliches Geschrei zu den Sternen: gleich wie das Brüllen, wenn ein verwundeter Stier vom Altar flieht und das unsicher geführte Beil von/aus seinem Nacken abgeschüttelt hat. Aber die Zwillingsschlangen entflohen gleitend zu den höchsten gelegenen Tempeln, streben zur Burg der grimmigen Tritonis (= Athene) und verbergen sich unter den Füßen der Göttin und unter der Wölbung des Schildes. Da aber schlich sich allen eine neue Angst in die zitternden Herzen ein, und sie sagen, Laokoon habe zurecht für sein Verbrechen gebüßt hat, da er mit einer Schwertspitze den heiligen Holzbau verletzt hat und gegen den Rucken die verbrecherische Lanze geschleudert hat. Das Bildnis muß zu seinem Platz gebracht werden und die große Macht der Göttin soll angebetet werden, riefen sie alle zusammen.
Wir reißen die Mauern ein und öffnen die Befestigungsanlagen der Stadt. Alle rüsten sich für das Werk und schieben unter die Füße gleitende Räder und legen Seile aus Hanf um den Hals: die verderbenbringende Maschine ersteigt voll mit Waffen die Mauern. Ringsum singen Knaben und jungfräuliche Mädchen heilige Lieder und freuen sich, das Seil mit der Hand zu berühren. Jenes Kriegsgerät rückt heran und gleitet drohend mitten in die Stadt hinein. O Heimat, o Ilium Heimat der Götter und durch den Krieg berühmten Mauern der Dardaniden! Viermal blieb es noch an der Schwelle des Tores stecken, und viermal gaben die Waffen im Bauch ein Klirren (von sich). Wir machten dennoch weiter, nicht achtend und blind vor Eifer (Raserei) und stellen das unheilbringende Ungeheuer auf der heiligen Burg auf. Dann öffnet auch Kassandra mit Prophezeiungen ihren Mund, der auf Geheiß des Gottes von den Teukrern niemals geglaubt wurde. Wir Elenden, für welche jener Tag ja der letzte war, schmücken die Tempel der Götter in der ganzen Stadt mir festlichem Laub.
Es dreht sich zu inzwischen der Himmel, und vom Ozean kommt die Nacht herauf und umhüllt mit großem Schatten Erde und Himmel und die Listen der Myrmidonen; (zur Ruhe) gelagert verstummten die Teukrer in der ganzen Stadt; Schlaf umfängt die ermüdeten Glieder. Und schon fuhr die argivische Phalanx auf gerüsteten Schiffen von Tenedos her im freundlichen Schweigen des stillen Mondlichtes und steuerte nach bekannten Gestaden, da gab das Schiff des Königs schon Feuerzeichen, und geschützt vom ungerechten Schicksal der Götter, lockert darauf Sinon heimlich die fichtenen Riegel und befreit die in den Bauch eingeschlossenen Danaer. Geöffnet gibt das Pferd jene ans Licht zurück, und froh kommen aus dem hohlen Holzbau die Anführer Thessandrus und Sthenelus und der grimmige Odysseus, sie gleiten an einem heruntergeworfenen Seil (herab), Akamas, Thoas, der Pelides, Neoptolemos und der Anführer Machaon und Menelaus und er selbst, der Urheber der List, Epeos. Sie dringen in die von Schlaf und Wein begrabene Stadt ein; die Wachen werden niedergehauen, und (die Griechen) nehmen durch die offenstehenden Tore alle Gefährten auf und vereinigen die verbündeten Scharen.

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