Vergil – Aeneis – Liber secundus – Vers 707-740 – Übersetzung

‚ergo age, care pater, ceruici imponere nostrae;
ipse subibo umeris nec me labor iste grauabit;
quo res cumque cadent, unum et commune periclum,
una salus ambobus erit. mihi paruus Iulus 710
sit comes, et longe seruet uestigia coniunx.
uos, famuli, quae dicam animis aduertite uestris.
est urbe egressis tumulus templumque uetustum
desertae Cereris, iuxtaque antiqua cupressus
religione patrum multos seruata per annos; 715
hanc ex diuerso sedem ueniemus in unam.
tu, genitor, cape sacra manu patriosque penatis;
me bello e tanto digressum et caede recenti
attrectare nefas, donec me flumine uiuo
abluero.‘ 720
haec fatus latos umeros subiectaque colla
ueste super fuluique insternor pelle leonis,
succedoque oneri; dextrae se paruus Iulus
implicuit sequiturque patrem non passibus aequis;
pone subit coniunx. ferimur per opaca locorum, 725
et me, quem dudum non ulla iniecta mouebant
tela neque aduerso glomerati examine Grai,
nunc omnes terrent aurae, sonus excitat omnis
suspensum et pariter comitique onerique timentem.
iamque propinquabam portis omnemque uidebar 730
euasisse uiam, subito cum creber ad auris
uisus adesse pedum sonitus, genitorque per umbram
prospiciens ’nate,‘ exclamat, ‚fuge, nate; propinquant.
ardentis clipeos atque aera micantia cerno.‘
hic mihi nescio quod trepido male numen amicum 735
confusam eripuit mentem. namque auia cursu
dum sequor et nota excedo regione uiarum,
heu misero coniunx fatone erepta Creusa
substitit, errauitne uia seu lapsa resedit,
incertum; nec post oculis est reddita nostris.


Deutsche Übersetzung:
Die Flucht aus dem brennenden Troja (Buch 2)
“Also denn, lieber Vater, setze dich auf unseren Nacken; ich selbst werde dich auf die Schultern nehmen, und nicht wird diese Last mich bedrücken; was auch immer passiert, wir beide werden die eine gemeinsame Gefahr, eine einzige Rettung haben. Mich begleite der kleine Iulus und in einige Entfernung folge meine Frau den Schritten. Ihr, Diener, lenkt eure Aufmerksamkeit auf das, was ich sage. Wenn man aus der Stadt herauskommt, (liegen dort) ein Hügel und ein alter Tempel der verlassenen Ceres, und daneben eine alte Zypresse, die in der frommen Verehrung der Väter viele Jahre hindurch erhalten geblieben ist; zu diesem einem Platz werden wir aus verschiedenen Richtungen kommen. Du, Vater, nimm die heiligen Geräte in (deine) die Hand und die heimatlichen Penaten; daß ich, der ich aus dem so gewaltigen Krieg und aus frischem Gemetzel entkommen bin, (sie) berühre, ist Sünde, bis ich mich in einem rasch strömenden Fluß wasche.‘
Dies sprach ich und werfe über meine breiten Schultern und den gesenkten Nacken einen Mantel aus dem eines gelbbraunen Löwen und lade mir die Last auf; an meine Rechte hat sich der kleine Iulus geschmiegt und folgt dem Vater nicht mit gleichen Schritten; hinten folgt gleich die Gattin. Wir eilen durch schattige Gegenden, und mich, den früher keine geschleuderten Lanzen bewegten und auch nicht die Griechen, die in feindlicher Schar zusammengeballt waren, erschrecken nun alle Luftzüge, jedes Geräusch regt mich auf, der ich unruhig bin und zugleich um Begleiter und Last fürchte. Und schon näherte ich mich den Toren und meinte, den ganzen Weg zurückgelegt zu haben, als plötzlich ein zahlreiches Geräusch von Tritten an (meine) Ohren zu dringen schien und mein Vater blickt durch das Dunkel nach vor und „Mein Sohn,“ ruft er, „Flieh, mein Sohn; sie kommen herbei. Funkelnde Schilde und blitzendes Erz erkenne ich.“ Hier entriß mir in meiner Aufregung eine feindliche Gottheit – ich weiß nicht, welche, meinen Sinn, so daß ich verwirrt wurde. Denn während ich im Lauf auf Seitenwege gelangte und aus der bekannten Richtung der Straßen herauskam, ach ob mir Armen die Gattin Creusa durch das Schicksal entrissen wurde und stehen blieb, ob sie sich in der Straße irrte ober ob sie fiel und sich (dann) niedersetzte, ist ungewiß; und später wurde sie nicht unseren Augen wiedergegeben.“

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