Vergil – Aeneis – Liber quartus – Vers 265-295 – Übersetzung

Continuo inuadit: ‚tu nunc Karthaginis altae 265
fundamenta locas pulchramque uxorius urbem
exstruis? heu, regni rerumque oblite tuarum!
ipse deum tibi me claro demittit Olympo
regnator, caelum et terras qui numine torquet,
ipse haec ferre iubet celeris mandata per auras: 270
quid struis? aut qua spe Libycis teris otia terris?
si te nulla mouet tantarum gloria rerum
[nec super ipse tua moliris laude laborem,]
Ascanium surgentem et spes heredis Iuli
respice, cui regnum Italiae Romanaque tellus 275
debetur.‘ tali Cyllenius ore locutus
mortalis uisus medio sermone reliquit
et procul in tenuem ex oculis euanuit auram.
At uero Aeneas aspectu obmutuit amens,
arrectaeque horrore comae et uox faucibus haesit. 280
ardet abire fuga dulcisque relinquere terras,
attonitus tanto monitu imperioque deorum.
heu quid agat? quo nunc reginam ambire furentem
audeat adfatu? quae prima exordia sumat?
atque animum nunc huc celerem nunc diuidit illuc 285
in partisque rapit uarias perque omnia uersat.
haec alternanti potior sententia uisa est:
Mnesthea Sergestumque uocat fortemque Serestum,
classem aptent taciti sociosque ad litora cogant,
arma parent et quae rebus sit causa nouandis 290
dissimulent; sese interea, quando optima Dido
nesciat et tantos rumpi non speret amores,
temptaturum aditus et quae mollissima fandi
tempora, quis rebus dexter modus. ocius omnes
imperio laeti parent et iussa facessunt. 295


Deutsche Übersetzung:
Merkur mahnt Aeneas zur Abfahrt (Buch4)
so beachte doch den heranwachsenden Ascanius und die Hoffnungen, die im Erben Iulus liegen, dem die Königsherrschaft über Italien und die römische Erde geschuldet wird.“ Nachdem der Kyllenier solche Worte gesprochen hatte, entzog er sich mitten in seiner Rede den Blicken des Sterblichen und entschwand in die zarte Luft fern aus den Augen.
Aeneas aber verstummte in der Tat, durch den Augenblick außer sich, vor Schrecken standen die Harre zu Berge, und die Stimme blieb in der Kehle stecken. Heiß begehrt er, fluchtartig wegzufahren und das süße Land zu verlassen, er ist wie vom Donner gerührt durch eine so bedeutende Mahnung und den Befehl der Götter. Ach, was sollte er tun? Mit welcher Anrede sollte er sich jetzt an die vor Zorn rasende Königin zu wenden wagen? Welchen Anfang sollte er zuerst auswählen? Und bald faßt er diesen, bald jenen schnellen Entschluß und denkt rasch nach verschiedenen Richtungen und überlegt hin und her [wörtl. nun teilt er seinen schnellen Geist hierher, nun dorthin; entführt (seinen Geist) nach verschiednen Richtungen und dreht und wendet ihn durch alles]. Als er nun schwankte ]wörtl. dem Schwankenden], erschien ihm dieser Gedanke besser zu sein: Mnestheus und Sergestes ruft er und den tapferen Serestus, sie sollten die Flotte in aller Stille rüsten und Gefährten an die Küste sammeln, sie sollten die Schiffsgeräte herrichten und verheimlichen, was der Grund für die Veränderung der Lage sei; er werde inzwischen versuchen, da ja die beste Dido nichts wisse und hoffe, eine so große Liebesleidenschaft würde nicht zerbrechen, zu ihr zu gehen, welche Zeit, (mit ihr) zu reden, am günstigsten und welche Art und Weise für seine Absicht die beste wäre. Gar schnell gehorchen alle freudig seinem Befehl und führen seine Aufträge aus.

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