Seneca: Epistulae Morales – Epistula 20 – Übersetzung

Lateinischer Text: Deutsche Übersetzung:
Verinnerliche die Philosophie – Seneca grüßt seinen Lucilius (Brief 20)
Si vales et te dignum putas qui aliquando fias tuus, gaudeo; Mea enim gloria erit, si te istinc ubi sine spe exeundi fluctuaris extraxero. Wenn du gesund bist und dich für würdig hältst, der (dass) du irgendeinmal dein Eigentum sein wirst, freue ich mich; Denn es wird mein Ruhm sein, wenn ich dich von dort herausziehen werde, wo du ohne Hoffnung herauszukommen, wagst.
Illud autem te, mi Lucili, rogo atque hortor, ut philosophiam in praecordia ima demittas et experimentum profectus tui capias non oratione nec scripto, sed animi firmitate, cupiditatum deminutione: verba rebus proba. Jenes aber bitte ich dich und ermahne dich, mein Lucilius, dass du die Philosophie in dien tiefstes Herz herabsenkst und einen Beweis deines Fortschritts nicht durch Rede noch durch Geschriebenes, sondern durch die Stärke des Geistes, durch die Verringerung der Begierde: Beweise die Worte durch Taten.
Aliud propositum est declamantibus et assensionem coronae captantibus, aliud his qui iuvenum et otiosorum aures disputatione varia aut volubili detinent: facere docet philosophia, non dicere, et hoc exigit, ut ad legem suam quisque vivat, ne orationi vita dissentiat vel ipsa inter se vita; ut unus sit omnium actio(dissentio)num color (sit). Etwas anderes ist das Ziel für die (derer), die eine Übungsrede halten und die den Beifall der Zuhörerschaft einfangen, anders ist es für diese, die die Ohren der jungen Männer und der Müßiggänger durch abwechslungsreiche und gewandte Diskussion fesseln: Handeln lehrt die Philosophie, nicht Reden, und dies fordert sie, dass jeder nach seinem Grundsatz lebt, damit das Leben nicht im Widerspruch zur Rede steht, noch das Leben im Widerspruch zu sich selbst; Dass die Richtung aller Handlungen eine einheitliche ist.
Maximum hoc est et officium sapientiae et indicium, ut verbis opera concordent, ut ipse ubique par sibi idemque sit. Dies ist die größte Pflicht der Weisheit und ein Anzeichen, dass die Werke mit den Worten übereinstimmen, dass der Weise selbst überall sich gleich und der selbe ist.
‚Quis hoc praestabit?‘ „Wer wird dies leisten können?“
Pauci, aliqui tamen. Wenige, aber dennoch einige.
Est enim difficile (hoc); nec hoc dico, sapientem uno semper iturum gradu, sed una via. Denn es ist schwierig; ich sage nicht dies, dass der Weise immer nur einen einzigen Schritt gehen wird, aber einen einzigen Weg.
Observa te itaque, numquid vestis tua domusque dissentiant, numquid in te liberalis sis, in tuos sordidus, numquid cenes frugaliter, aedifices luxuriose; unam semel ad quam vivas regulam prende et ad hanc omnem vitam tuam exaequa. Beobachte dich deshalb, ob etwa diene Kleidung und dein Haus im Widerspruch stehen, ob du freigebig gegenüber dir selbst bist, geizig gegenüber den deinen, ob du sparsam speist, luxuriös baust; eine einzige Regel, nach der du leben sollst, ergreife ein für alle Mal und richte an dieser dein ganzes Leben aus.
Quidam se domi contrahunt, dilatant foris et extendunt: vitium est haec diversitas et signum vacillantis animi ac nondum habentis tenorem suum. Etliche schränken sich zu Hause ein, machen sich draußen breit und lassen sich gehen: Diese Widersprüchlichkeit ist ein Fehler und ein Zeichen des schwankenden Geistes, der noch keine Eigenart gefunden hat.

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