Sallust: De Coniuratio Catilinae – Kapitel 20 – Übersetzung

Lateinischer Text: Deutsche Übersetzung:
Bellum Catilinae Kapitel 20 – Rede vor der geheimen Versammlung der Verschwörer
Catilina ubi eos, quos paulo ante memoravi, convenisse videt, tametsi cum singulis multa saepe egerat, tamen in rem fore credens univorsos appellare et cohortari in abditam partem aedium secedit atque ibi omnibus arbitris procul amotis orationem huiusce modi habuit: Sobald Catilina gesehen hatte, daß diese, welche ich kurz vorher erwähnt habe, versammelt waren, glaubte er, obgleich er schon mit einzelnen vieles oft besprochen hatte, dennoch, dass es zweckdienlich sei, alle gemeinsam anzusprechen und aufzumuntern, er zog sich (daher) in einen abgelegenen Teil des Hauses zurück, und nachdem er dort alle Augenzeugen weit entfernen hatte lassen, hielt dort eine Rede mit folgenden Inhalt:
„Ni virtus fidesque vostra spectata mihi forent, nequiquam opportuna res cecidisset; spes magna, dominatio in manibus frustra fuissent, neque ego per ignaviam aut vana ingenia incerta pro certis captarem. „Wenn eure Tapferkeit und eure Treue für mich nicht sicher wären, hätte sich umsonst eine günstige Gelegenheit ergeben; die großen Hoffnungen, die mit Händen greifbare Herrschaft, wären vergebens gewesen, und ich würde nicht durch Feiglinge und Abenteurer nach Unsicherem statt Sicherem greifen.
„Sed quia multis et magnis tempestatibus vos cognovi fortis fidosque mihi, eo animus ausus est maxumum atque pulcherrumum facinus incipere, simul quia vobis eadem, quae mihi, bona malaque esse intellexi; nam idem velle atque idem nolle, ea demum firma amicitia est. Aber weil ich euch in vielen und großen Schwierigkeiten als tapfer und mir treu ergeben erkannte, deshalb habe ich es gewagt, die größte und schönste Tat zu unternehmen, zugleich weil ich erkannt/begriffen habe, daß dasselbe für euch gut und schlecht ist, wie für mich; denn dasselbe zu wollen, und dasselbe nicht zu wollen, das erst ist eine starke/fest Freundschaft.
Sed ego quae mente agitavi, omnes iam antea divorsi audistis. Aber was ich (nun) erwogen/geplant habe, das habt ihr alles schon vorher getrennt/jeder für sich gehört.
Ceterum mihi in dies magis animus accenditur, cum considero, quae condicio vitae futura sit, nisi nosmet ipsi vindicamus in libertatem. Im übrigen wird mein Geist von Tag zu Tag immer mehr erregt, wenn ich überlege, welche Lebenslage (für uns) sein wird, wenn wir uns nicht für uns die Freiheit erkämpfen.
Nam postquam res publica in paucorum potentium ius atque dicionem concessit, semper illis reges, tetrarchae vectigales esse, populi, nationes stipendia pendere; ceteri omnes, strenui, boni, nobiles atque ignobiles, vulgus fuimus, sine gratia, sine auctoritate, iis obnoxii, quibus, si res publica valeret, formidini essemus. Denn seitdem die Republik in das Recht und die völlige Abhängigkeit weniger Mächtiger geraten ist, waren jenen immer Könige und Fürsten steuerpflichtig, Völker und Nationen zahlten Abgaben; wir alle, die übrigen, tüchtige gute Leute, adelige und nicht adelige Menschen sind das gemeine Volk geworden, ohne Ansehen, ohne Einfluss, denen unterwürfig, denen, wenn die Republik stark wäre, wird Angst machen würden.
Itaque omnis gratia, potentia, honos, divitiae apud illos sunt aut ubi illi volunt; nobis reliquere pericula, repulsas, iudicia, egestatem. Daher sind alle Ehren, Macht, Würde und Reichtümer bei jenen, wo jene (es) wollen; uns haben sie Gefahren, Zurückweisungen (bei Amtsbewerbungen), Urteile und Armut zurückgelassen.
Quae quousque tandem patiemini, o fortissumi viri? Wie lange werdet ihr das noch zulassen, o ihr tapfersten Männer?
Nonne emori per virtutem praestat quam vitam miseram atque inhonestam, ubi alienae superbiae ludibrio fueris, per dedecus amittere? Ist es nicht besser, (durch Tapferkeit =) heldenhaft zu sterben, als ein schlechtes und entehrtes Leben, indem man fremden Hochmut zum Spott dient, in Schande zu verlieren?
Verum enim vero, pro deum atque hominum fidem, victoria in manu nobis est: Viget aetas, animus valet; contra illis annis atque divitiis omnia consenuerunt. Aber in der Tat, bei der Treue von Göttern und Menschen, ist der Sieg in unserer Hand: Die Jugend steht in Blüten, der Geist ist stark; dagegen sind bei jenen alle Kräfte durch die Jahre und Reichtümer verkalkt.
Tantum modo incepto opus est, cetera res expediet. Lediglich ein Anfang ist notwendig, alles übrige wird sich von selbst erledigen.
Etenim quis mortalium, cui virile ingenium est, tolerare potest illis divitias superare, quas profundant in exstruendo mari et montibus coaequandis, nobis rem familiarem etiam ad necessaria deesse? Denn wer von den Sterblichen, der einen männlichen Sinn hat, kann ertragen, daß für jene Reichtum im Überfluss vorhanden ist, den sie ins Meer hinausbauend und Berge einebnend verschwenden, während uns das Geld sogar für das Notwendige fehlt?
Illos binas aut amplius domos continuare, nobis larem familiarem nusquam ullum esse? Dass jene zwei oder noch größere Häuser aneinanderreihen, für uns aber nirgends irgendein zu Hause ist?
Cum tabulas, signa, toreumata emunt, nova diruunt, alia aedificant, postremo omnibus modis pecuniam trahunt, vexant, tamen summa lubidine divitias suas vincere nequeunt. Indem sie Gemälde, Standbilder, kunstvoll ziselierte Metallgefäße kaufen, neues zerstören/niederreißen, anderes erbauen, zuletzt/kurz Geld auf alle Arten verschleudern, missbrauchen und können sie dennoch auch mit dem größten Luxusleben ihre Reichtümer nicht klein kriegen.
At nobis est domi inopia, foris aes alienum, mala res, spes multo asperior: Denique quid reliqui habemus praeter miseram animam? Aber wir haben Armut zu Hause, draußen Schulden, eine schlechte Gegenwart/Lage, eine um viel härtere Zukunft: Was bleibt uns schließlich über, außer einem elenden Leben?
„Quin igitur expergiscimini? En illa, illa, quam saepe optastis, libertas, praeterea divitiae, decus, gloria in oculis sita sunt; fortuna omnia ea victoribus praemia posuit. Ja warum wacht ihr denn nicht auf? Seht jene Freiheit, jene die ihr oft gewünscht habt, ferner liegen euch Reichtümer, Ehre und Ruhm vor den Augen; das Schicksal hat all das den Siegern als Belohnung in Aussicht gestellt.
Res, tempus, pericula, egestas, belli spolia magnifica magis quam oratio mea vos hortantur. Die Lage, der Zeitpunkt, die Gefahren, die Armut und die prächtige Kriegsbeute spornen euch mehr an als meine Rede auf.
Vel imperatore vel milite me utimini! Neque animus neque corpus a vobis aberit. Entweder einen Feldherrn oder einen Soldaten habt in mir! (Weder mein Geist noch mein Körper werden euch fern sein) Mit Leib und Seele werde ich bei euch sein.
Haec ipsa, ut spero, vobiscum una consul agam, nisi forte me animus fallit et vos servire magis quam imperare parati estis.“ Alles das werde ich, so hoffe ich, mit euch als Konsul zustande bringen, wenn ich mich nicht täusche und ihr eher bereit seid zu dienen als zu herrschen.“

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