Ovid – Metamorphosen – Liber undecimus – Thetis und Peleus – Übersetzung

Namque senex Thetidi Proteus ‚dea‘ dixerat ‚undae,
concipe: mater eris iuvenis, qui fortibus annis
acta patris vincet maiorque vocabitur illo.‘
ergo, ne quicquam mundus Iove maius haberet,
quamvis haut tepidos sub pectore senserat ignes, 225
Iuppiter aequoreae Thetidis conubia fugit,
in suaque Aeaciden succedere vota nepotem
iussit et amplexus in virginis ire marinae.
Est sinus Haemoniae curvos falcatus in arcus,
bracchia procurrunt: ubi, si foret altior unda, 230
portus erat; summis inductum est aequor harenis;
litus habet solidum, quod nec vestigia servet
nec remoretur iter nec opertum pendeat alga;
myrtea silva subest bicoloribus obsita bacis.
est specus in medio, natura factus an arte, 235
ambiguum, magis arte tamen: quo saepe venire
frenato delphine sedens, Theti, nuda solebas.
illic te Peleus, ut somno vincta iacebas,
occupat, et quoniam precibus temptata repugnas,
vim parat, innectens ambobus colla lacertis; 240
quod nisi venisses variatis saepe figuris
ad solitas artes, auso foret ille potitus;
sed modo tu volucris: volucrem tamen ille tenebat;
nunc gravis arbor eras: haerebat in arbore Peleus;
tertia forma fuit maculosae tigridis: illa 245
territus Aeacides a corpore bracchia solvit.
inde deos pelagi vino super aequora fuso
et pecoris fibris et fumo turis adorat,
donec Carpathius medio de gurgite vates
‚Aeacide,‘ dixit ‚thalamis potiere petitis, 250
tu modo, cum rigido sopita quiescet in antro,
ignaram laqueis vincloque innecte tenaci.
nec te decipiat centum mentita figuras,
sed preme, quicquid erit, dum, quod fuit ante, reformet.‘
dixerat haec Proteus et condidit aequore vultum 255
admisitque suos in verba novissima fluctus.
Pronus erat Titan inclinatoque tenebat
Hesperium temone fretum, cum pulchra relicto
Nereis ingreditur consueta cubilia ponto;
vix bene virgineos Peleus invaserat artus: 260
illa novat formas, donec sua membra teneri
sentit et in partes diversas bracchia tendi.
tum denum ingemuit, ’ne‘ que ait ’sine numine vincis‘
exhibita estque Thetis: confessam amplectitur heros
et potitur votis ingentique inplet Achille. 265


Deutsche Übersetzung: (Buch 11, Vers 221-265)
Thetis und Peleus
Proteus sprach zu der Thetis, der Meergreis: Göttin der Wasser,
Künftig empfängst und gebierst du den Jüngling, welcher des Vaters
Mächtige Taten besiegt und groß vor jenem genannt wird.
Darum, damit nichts größer denn Jupiter wär‘ in dem Weltall,
Ob er zwar in der Brust nicht lauliche Gluten empfunden,
Meidet Jupiter stets der umwogeten Thetis Vermählung.
Und er gebot, daß ihm sein äacidischer Enkel
Folgt‘ in dem Wunsch, und ginge, die Meerjungfrau zu umarmen.

Eine hämonische Bucht erstreckt, wie die Sichel geründet,
Zwei verlaufende Arm‘, und wallete tieferes Wasser,
Wär‘ es ein Port; doch es seichtet ein sandiger Boden die Fläche.
Hart ist oben der Strand, und behält nicht Spuren des Fußes,
Noch verweist er den Gang, noch deckt ihn schwebendes Meergras.
Nah ist Myrtengesträuch, voll dunkeler Beeren und heller.
Eine Grott‘ ist darin; ob Natur, ob Kunst sie gebildet,
Zweifelte man; mehr aber die Kunst: oft kamst du zu dieser,
Auf dem gezäumten Delphine gewandlos sitzend, o Thetis.

Dort hat Peleus dich einst, da im fesselnden Schlafe du lagest,
Überrascht; und weil du, versucht durch Bitten, dich sträubtest,
Übt er Gewalt, den Nacken mit beiden Armen umwendend.
Hättest du nicht dich gewendet in oft veränderter Bildung
Zu der gewöhnlichen Kunst; er gewann sein kühnes Bestreben.
Bald als Vogel erschienst du; und fest hielt jener den Vogel:
Bald ein gewaltiger Baum; an dem Baum auch haftete Peleus.
Doch in der dritten Gestalt der gesprenkelten Tigerin drohend,
Schrecktest du Äakus‘ Sohn, daß dich zu umarmen er abließ.
Jetzt die Götter des Meers, mit Wein in die Welle geströmt,
Sühnet er, und mit geopfertem Vieh, und dampfendem Weihrauch;
Bis der karpathische Seher hervor aus der Mitte des Strudels:
Äakus‘ Sohn, ausrief. du erlangst die gewünschte Vermählung.
Nur wann schlummernd die Nymph‘ in der kühligen Grotte sich ausruht,
Binde sie, leise genaht, mit Seil und umschlingender Fessel.
Und sie täuschte dich nicht, von Gestalt in Gestalt sich verwandelnd;
Zwänge du, was sie auch sei, bis die vorige Bildung sie herstellt.

Proteus redete so, und taucht‘ in die Fluten das Antlitz,
Selbst mit eigner Umwallung die endenden Worte bedeckend.

Titan neigte den Lauf, und lenkt‘ abschüssig die Deichsel
Zum hesperischen Sund, als Nereus‘ blühende Tochter
Aus der verlassenen Tief‘ einging zum gewöhnlichen Lager.
Kaum noch stürmte der Held auf die Meerjungfrau, und sie gaukelt
Immer erneute Gestalt, bis zuletzt sie die Glieder gehalten
Fühlt, und weit auseinander die Arm‘ in Banden gedehnet.
Seufzend sagte sie jetzt: Du siegst nicht ohne die Götter!
Und ward Thetis, wie vor. Es umschlingt die Bekennende Peleus,
Froh der gewonnenen Braut, und schenkt ihr den großen Achilles.

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