Ovid – Metamorphosen – Liber tertius – Semele – Übersetzung

Surgit ab his solio fulvaque recondita nube
limen adit Semeles nec nubes ante removit
quam simulavit anum posuitque ad tempora canos 275
sulcavitque cutem rugis et curva trementi
membra tulit passu; vocem quoque fecit anilem,
ipsaque erat Beroe, Semeles Epidauria nutrix.
ergo ubi captato sermone diuque loquendo
ad nomen venere Iovis, suspirat et ‚opto, 280
Iuppiter ut sit‘ ait; ‚metuo tamen omnia: multi
nomine divorum thalamos iniere pudicos.
nec tamen esse Iovem satis est: det pignus amoris,
si modo verus is est; quantusque et qualis ab alta
Iunone excipitur, tantus talisque, rogato, 285
det tibi conplexus suaque ante insignia sumat!‘

Talibus ignaram Iuno Cadmeida dictis
formarat: rogat illa Iovem sine nomine munus.
cui deus ‚elige!‘ ait ’nullam patiere repulsam,
quoque magis credas, Stygii quoque conscia sunto 290
numina torrentis: timor et deus ille deorum est.‘
laeta malo nimiumque potens perituraque amantis
obsequio Semele ‚qualem Saturnia‘ dixit
‚te solet amplecti, Veneris cum foedus initis,
da mihi te talem!‘ voluit deus ora loquentis 295
opprimere: exierat iam vox properata sub auras.

Ingemuit; neque enim non haec optasse, neque ille
non iurasse potest. ergo maestissimus altum
aethera conscendit vultuque sequentia traxit
nubila, quis nimbos inmixtaque fulgura ventis 300
addidit et tonitrus et inevitabile fulmen;
qua tamen usque potest, vires sibi demere temptat
nec, quo centimanum deiecerat igne Typhoea,
nunc armatur eo: nimium feritatis in illo est.
est aliud levius fulmen, cui dextra cyclopum 305
saevitiae flammaeque minus, minus addidit irae:
tela secunda vocant superi; capit illa domumque
intrat Agenoream. corpus mortale tumultus
non tulit aetherios donisque iugalibus arsit.

Inperfectus adhuc infans genetricis ab alvo 310
eripitur patrioque tener (si credere dignum est)
insuitur femori maternaque tempora conplet.
furtim illum primis Ino matertera cunis
educat, inde datum nymphae Nyseides antris
occuluere suis lactisque alimenta dedere. 315


Deutsche Übersetzung: (Buch 3, Vers 273-315)
Semele
Juno, herab vom Olympus in funkelnder Wolke getragen,
Kam zur thebischen Schwelle der Semele. Dort sich entwölkend,
Log sie Matronengestalt, mit silbernem Haar um die Schläfen;
Runzelig hing und welkend die Haut; ein wankender Fußtritt
Trug den gebogenen Leib; auch die Stimme war ganz der Matrone.
Beroë schien sie der Fürstin, die Pflegerin aus Epidaurus.
Bald ein Gespräch anspannend, und dies abschwatzend und jenes,
Kamen sie nun zum Namen des Jupiter. Seufzend: O möcht‘ er,
Sprach sie, nur Jupiter sein! Doch sorg‘ ich alles; denn viele
Durften, wie Götter genannt, eingehn in keusche Gemächer.
Nicht daß er Jupiter sei, ist genug. Wahrzeichen der Liebe
Geb‘ er, wofern er es ist. Wie groß, und wie herrlich der hohen
Juno zu nahen er pflegt; so groß, und so herrlich erschein‘ er,
(Fordre das) dich zu umarmen, in eigener Göttlichkeit strahlend.

(287)Also beredete Juno mit List der Kadmeerin Einfalt;
Und sie erbat ein Geschenk von Jupiter, ohn‘ es zu nennen.
Fordere, was dir gefällt, antwortet‘ er, alles gewähr‘ ich.
Und daß völlig du glaubst: auch des stygischen Stromes Gewalten
Sein uns Zeugen des Schwurs; selbst Göttern ein Graun ist die Gottheit.
Froh des Wehs, und zu reichlich begabt, und dem Tode durch blinde
Zärtlichkeit nahegeführt, sprach Semele: So wie der Juno
Du in deiner Gestalt als liebender Gatte dich nahest,
So gewähre dich mir. Den Mund der Redenden wollte
Schließen der Gott: doch entflohn war bereits die beschleunigte Bitte.

(297)Jupiter seufzt; denn es kann so wenig ihr Wunsch ungewünscht sein,
Als ungeschworen sein Schwur. Drum steiget er, voll der Betrübnis,
Hoch zum Äther empor, und winkt nachfolgende Wolken
Hinter sich her; Platzregen und Leuchtungen, wehend mit Winden,
Fügt er dazu, auch Donner, und treffende Strahlen des Donners.
Aber er strebt, was er kann, sich selbst die Kräfte zu nehmen.
Nicht die Glut, die Typhöus den hundertarmigen nieder
Donnerte, waffnet ihn jetzt; zu groß ist die Heftigkeit jener.
Noch ein leichterer Blitz ist dort, dem die Hand der Zyklopen
Weniger Wut und Flamme verlieh, und weniger Zornes:
Zweites Geschoß von den Göttern genannt: Dies nimmt er, und wandelt
In das kadmeïsche Haus. Es ertrug den ätherischen Aufruhr
Nicht der sterblichen Leib; in dem Brautgeschenke verbrannt‘ er.

(310)Aber die noch unzeitige Frucht wird dem Schoße der Mutter
Schleunig entrafft, und dem Vater das Kind (wenn glaublich die Sag‘ ist)
Sanft in die Hüfte genäht; wo die reifenden Mond‘ es erfüllet.
Ino erzog in der Wiege zuerst den geheimlichten Neffen,
hierauf ward er der Pflege niseïscher Nymphen vertrauet,
Die im Geklüft ihn bargen, und Milch ihm reichten zur Nahrung.

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