Ovid – Metamorphosen – Liber nonus – Galanthis – Übersetzung

Herculis illam imperiis thalamoque animoque receperat Hyllus,
inpleratque uterum generoso semine; cui sic 280
incipit Alcmene: ‚faveant tibi numina saltem,
conripiantque moras tum cum matura vocabis
praepositam timidis parientibus Ilithyiam,
quam mihi difficilem Iunonis gratia fecit.
namque laboriferi cum iam natalis adesset 285
Herculis et decimum premeretur sidere signum,
tendebat gravitas uterum mihi, quodque ferebam,
tantum erat, ut posses auctorem dicere tecti
ponderis esse Iovem. nec iam tolerare labores
ulterius poteram. quin nunc quoque frigidus artus, 290
dum loquor, horror habet, parsque est meminisse doloris.
septem ego per noctes, totidem cruciata diebus,
fessa malis, tendensque ad caelum bracchia, magno
Lucinam Nixosque pares clamore vocabam.
illa quidem venit, sed praecorrupta, meumque 295
quae donare caput Iunoni vellet iniquae.
utque meos audit gemitus, subsedit in illa
ante fores ara, dextroque a poplite laevum
pressa genu et digitis inter se pectine iunctis
sustinuit partus. tacita quoque carmina voce 300
dixit, et inceptos tenuerunt carmina partus.
nitor, et ingrato facio convicia demens
vana Iovi, cupioque mori, moturaque duros
verba queror silices. matres Cadmeides adsunt,
votaque suscipiunt, exhortanturque dolentem. 305
una ministrarum, media de plebe, Galanthis,
flava comas, aderat, faciendis strenua iussis,
officiis dilecta suis. ea sensit iniqua
nescio quid Iunone geri, dumque exit et intrat
saepe fores, divam residentem vidit in ara 310
bracchiaque in genibus digitis conexa tenentem,
et „quaecumque es,“ ait „dominae gratare. levata est
Argolis Alcmene, potiturque puerpera voto.“
exsiluit, iunctasque manus pavefacta remisit
diva potens uteri: vinclis levor ipsa remissis. 315
numine decepto risisse Galanthida fama est.
ridentem prensamque ipsis dea saeva capillis
traxit, et e terra corpus relevare volentem
arcuit, inque pedes mutavit bracchia primos.
strenuitas antiqua manet; nec terga colorem 320
amisere suum: forma est diversa priori.
quae quia mendaci parientem iuverat ore,
ore parit nostrasque domos, ut et ante, frequentat.‘


Deutsche Übersetzung: (Buch 9, Vers 279-323)
Galanthis
Hyllus, des Herkules Sohn, nahm Iole sich zur Genossin.
Als ihr im Schoß nun keimte die Frucht des edelen Stammes,
Sprach Alkmene das Wort: Dir wenigstens gönne die Gottheit
Heil und kürzere Frist, wann du, zur Reife gelanget,
Rufst die der bangen Geburt vorstehende Eileithya,
Die mir hart sich bewies, aus Gefälligkeit gegen die Juno!
Denn als schon annahte die Zeit des erhabenen Dulders
Herkules, und das Gestirn eintrat in das zehente Zeichen,
Schwoll mir unter dem Herzen die Last; und was ich umhertrug,
War so groß, daß glaublich erschien, so großem Gewicht sei
Jupiter selbst Urheber. Auch nicht ausdulden die Arbeit
Konnt‘ ich Erschöpfte fortan. Noch jetzt fährt kältender Schauer
Während ich red‘, ins Gebein; und des Schmerzes ein Teil ist Erinnrung.

Sieben Nächte hindurch und gleichviel Tage gemartert,
Ruft‘ ich, müde der Qual, und die Arm‘ ausstreckend zum Himmel,
Laut die Lucina mit Schrein und die Zwillingsmächte des Kreißens.

Zwar kam jene dem Ruf; doch zuvor mißleitet beschloß sie,
Darzubieten mein Haupt der unheilsinnenden Juno.
Als mein winselndes Stöhnen sie hörete, setzte sie dort sich
Auf den Altar an der Pforte, das linke Knie von des rechten
Buge gedrückt, und mit fest ineinander gefalteten Fingern
Hielt sie zurück die Geburt; auch leise Beschwörungen sprach sie;
Und die Beschwörungen hemmten die kaum begonnene Arbeit.

Angstvoll ring‘ ich, und klage mit törichter Klage des Undanks
Jupiter an, und begehre den Tod, und jammere Worte,
Hartes Gestein zu bewegen. Es nahn kadmeische Mütter,
Flehn mit Gelübd‘, und sprechen der Leidenden Trost und Ermahnung.

Eine der dienenden Mägd‘, aus niederem Volke, Galanthis,
Gelblich gelockt, war dort, ein Gebot zu vollenden betriebsam,
Durch dienstfertige Treue beliebt. Die merkt, es verüb‘ hier
Juno durch etwas den Groll. Da oft sie hinaus und hinein geht,
Schauet sie auf dem Altar an der Tür dasitzen die Göttin,
Haltend die Händ‘ auf den Knieen mit festgefalteten Fingern.
Wer du auch seist, Glück wünsche der Herrscherin! sprach sie; befreit ist
Argos‘ Tochter Alkmen‘, und genießt des erfleheten Söhnleins!
Plötzlich sprang sie empor und entband die gefügeten Hände
Lösend, die Göttin der Wehn; das löste mich selbst die Entbindung.

Ihrer betrogenen Macht, erzählen sie, lachte Galanthis.
Aber der Lachenden faßte das Haar die erbitterte Göttin,
Zog sie zur Erd‘, und da jene den Leib zu erheben bemüht war,
Hemmte sie. Schnell sind die Arm‘ in vordere Füße verwandelt;
Rasche Betriebsamkeit bleibt, wie zuvor; auch der Rücken verlieret
Nicht sein schneeiges Weiß: die Gestalt ist der vorigen ungleich.
Weil der Gebärerin half ihr täuschender Mund, so gebiert sie
Jetzt mit dem Mund‘; auch besucht sie als Wieselchen gerne die Häuser.

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