Ovid – Metamorphosen – Liber decimus – Cyparissus – Übersetzung

Adfuit huic turbae metas imitata cupressus,
nunc arbor, puer ante deo dilectus ab illo,
qui citharam nervis et nervis temperat arcum.
namque sacer nymphis Carthaea tenentibus arva
ingens cervus erat, lateque patentibus altas 110
ipse suo capiti praebebat cornibus umbras.
cornua fulgebant auro, demissaque in armos
pendebant tereti gemmata monilia collo.
bulla super frontem parvis argentea loris
vincta movebatur; parilesque ex aere nitebant 115
auribus e geminis circum cava tempora bacae;
isque metu vacuus naturalique pavore
deposito celebrare domos mulcendaque colla
quamlibet ignotis manibus praebere solebat.
sed tamen ante alios, Ceae pulcherrime gentis, 120
gratus erat, Cyparisse, tibi: tu pabula cervum
ad nova, tu liquidi ducebas fontis ad undam,
tu modo texebas varios per cornua flores,
nunc eques in tergo residens huc laetus et illuc
mollia purpureis frenabas ora capistris. 125
Aestus erat mediusque dies, solisque vapore
concava litorei fervebant bracchia Cancri:
fessus in herbosa posuit sua corpora terra
cervus et arborea frigus ducebat ab umbra.
hunc puer inprudens iaculo Cyparissus acuto 130
fixit et, ut saevo morientem vulnere vidit,
velle mori statuit. quae non solacia Phoebus
dixit et, ut leviter pro materiaque doleret,
admonuit! gemit ille tamen munusque supremum
hoc petit a superis, ut tempore lugeat omni. 135
iamque per inmensos egesto sanguine fletus
in viridem verti coeperunt membra colorem,
et, modo qui nivea pendebant fronte capilli,
horrida caesaries fieri sumptoque rigore
sidereum gracili spectare cacumine caelum. 140
ingemuit tristisque deus ‚lugebere nobis
lugebisque alios aderisque dolentibus‘ inquit.


Deutsche Übersetzung: (Buch 10, Vers 106-142)
Cyparissus
Hoch in Kegelgestalt erhebt sich der schlanke Cupressus,
Jetzo ein Baum, als Knabe vordem ein Geliebter des Gottes,
Der mit der Saite die Laut‘, und Geschoß mit der Saite bespannet.
Siehe, den Nymphen geweiht, die karthäische Fluren bewohnen,
War ein gewaltiger Hirsch: der selbst in erhabne Beschattung
Hüllte das eigene Haupt mit weitgeästeten Hörnern.
Funkelnd blitzte von Gold das Gehörn; und herab auf die Buge
Hing am gerundeten Halse die Schnur glanzheller Juwelen.
Auch ein silbernes Blatt, an zierlichen Riemchen befestigt,
Schwebt‘ ihm über die Stirn; und es blinkten aus Erz in den Ohren
Um die gehöhlete Schläfe die gleichgedreheten Bammeln.
Dieser hatte die Furcht und die angebotene Zagheit
Völlig verlernt; er besuchte die Wohnungen immer und reichte
Gern zum Klatschen den Hals auch unbekannteren Händen.

Doch vor anderen war dir, Schönster des ceischen Volkes,
Angenehm, Cyparissus, der Hirsch; du führest zu junger,
Saftiger Kost, du jenen zur Flut des lauteren Bornes;
Du durchflochtest ihm bald mit farbigen Blumen die Hörner,
Bald auf den Rücken geschmiegt und dorthin reitend und dahin,
Bogst du sein lenksames Maul mit purpurschimmerndem Zügel.

Schwüle war’s, und Mitte des Tages; von der brennenden Sonne
Glüheten eingebogen die Hummerarme des Krebses.
Müde streckte den Leib auf grasigem Boden der Kronhirsch,
Einzuatmen die Kühlung im Wehn des schattigen Baumes.
Diesen traf Cyparissus der Knab‘ unachtsam mit scharfem
Speer; und sobald er sterben ihn sah an grausamer Wunde,
Wünscht‘ er zu sterben sich selbst. O was nicht redete Phöbus
Ihm zum Trost? Sich leichter und angemeßner zu grämen,
Mahnt er ihn an. Doch seufzet der Knab‘ und erfleht von den Göttern
Dies als letztes Geschenk, daß stets ihm wäre die Trauer.

Jetzt, da Tränen und Blut in unendlichem Schmerz er geweinet,
Wandelten sich allmählich in grünliche Farbe die Glieder;
Und die der schneeigen Stirne noch jüngst entrollenden Locken
Wurden ein struppiges Haar, das stachelicht nun und erstarrend
Vom hochschwankenden Wipfel zu himmlischen Sternen emporsah.
Gramvoll seufzte der Gott: Du hinfort mir betrauerter Knabe,
Andre betrau’rst du hinfort, ein Genoß Leidtragender! sprach er.

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