Ovid – Metamorphosen – Liber tredecim- Glaukus und Scylla – Übersetzung

Desierat Galatea loqui, coetuque soluto
discedunt placidisque natant Nereides undis.
Scylla redit; neque enim medio se credere ponto
audet, et aut bibula sine vestibus errat harena
aut, ubi lassata est, seductos nacta recessus
gurgitis, inclusa sua membra refrigerat unda:
ecce fretum stringens, alti novus incola ponti,
nuper in Euboica versis Anthedone membris,
Glaucus adest, visaeque cupidine virginis haeret
et, quaecumque putat fugientem posse morari,
verba refert; fugit illa tamen veloxque timore
pervenit in summum positi prope litora montis.
ante fretum est ingens, apicem conlectus in unum
longa sub arboribus convexus in aequora vertex:
constitit hic et tuta loco, monstrumne deusne
ille sit, ignorans admiraturque colorem
caesariemque umeros subiectaque terga tegentem,
ultimaque excipiat quod tortilis inguina piscis.
sensit et innitens, quae stabat proxima, moli
’non ego prodigium nec sum fera belua, virgo,
sed deus‘ inquit ‚aquae: nec maius in aequora Proteus
ius habet et Triton Athamantiadesque Palaemon.
ante tamen mortalis eram, sed, scilicet altis
debitus aequoribus, iam tum exercebar in illis;
nam modo ducebam ducentia retia pisces,
nunc in mole sedens moderabar harundine linum.
sunt viridi prato confinia litora, quorum
altera pars undis, pars altera cingitur herbis,
quas neque cornigerae morsu laesere iuvencae,
nec placidae carpsistis oves hirtaeve capellae;
non apis inde tulit conlectos sedula flores,
non data sunt capiti genialia serta, neque umquam
falciferae secuere manus; ego primus in illo
caespite consedi, dum lina madentia sicco,
utque recenserem captivos ordine pisces,
insuper exposui, quos aut in retia casus
aut sua credulitas in aduncos egerat hamos.
res similis fictae, sed quid mihi fingere prodest?
gramine contacto coepit mea praeda moveri
et mutare latus terraque ut in aequore niti.
dumque moror mirorque simul, fugit omnis in undas
turba suas dominumque novum litusque relinquunt.
obstipui dubitoque diu causamque requiro,
num deus hoc aliquis, num sucus fecerit herbae:
„quae tamen has“ inquam „vires habet herba?“ manuque
pabula decerpsi decerptaque dente momordi.
vix bene conbiberant ignotos guttura sucos,
cum subito trepidare intus praecordia sensi
alteriusque rapi naturae pectus amore;
nec potui restare diu „repetenda“ que „numquam
terra, vale!“ dixi corpusque sub aequora mersi.
di maris exceptum socio dignantur honore,
utque mihi, quaecumque feram, mortalia demant,
Oceanum Tethynque rogant: ego lustror ab illis,
et purgante nefas noviens mihi carmine dicto
pectora fluminibus iubeor supponere centum;
nec mora, diversis lapsi de partibus amnes
totaque vertuntur supra caput aequora nostrum.
hactenus acta tibi possum memoranda referre,
hactenus haec memini, nec mens mea cetera sensit.
quae postquam rediit, alium me corpore toto,
ac fueram nuper, neque eundem mente recepi:
hanc ego tum primum viridem ferrugine barbam
caesariemque meam, quam longa per aequora verro,
ingentesque umeros et caerula bracchia vidi
cruraque pinnigero curvata novissima pisce.
quid tamen haec species, quid dis placuisse marinis,
quid iuvat esse deum, si tu non tangeris istis?‘
talia dicentem, dicturum plura, reliquit
Scylla deum; furit ille inritatusque repulsa
prodigiosa petit Titanidos atria Circes.


Deutsche Übersetzung: (Buch 13, Vers 898-968)
Glaukus und Scylla
Schon den drückenden Berg auf gigantischen Kehlen, den Ätna,
Und der Zyklopen Bezirk, die weder den Karst noch die Pflugschar
Kennen, und nichts dem Gespann arbeitender Stiere verdanken,
Ließ der Euböer zurück, der geschwollenen Fluten Bewohner.
Zankle darauf verließ er und jenseits Rhegions Mauern,
Samt dem zerscheiternden Sund, der, geengt vom Doppelgestade,
Hier ausonisches Feld, dort Sikulerfluren begrenzet.
Jetzt, mit gewaltiger Hand die tyrrhenische Woge durchschlüpfend,
Schwamm er die kräutrigen Hügel hinan und der sonnenerzeugten
Circe durchwimmelten Hof von mancherlei Wildes Erscheinung.

Gleich, da er jene geschaut und gegeben den Gruß und empfangen:
Mitleid schenke mir, Göttin, dem Gott! denn allein ja vermagst du,
Sprach er, sie mir zu erleichtern, nur sei ich’s würdig, die Sehnsucht.
Welche Gewalt der Kräuter du hast, o Titanin, erkennet
Inniger keiner denn ich; mich selbst verwandelten Kräuter.
Daß dir nicht unentdeckt die Quelle sei meiner Betörung:
An dem italischen Strand, den Messeniermauern entgegen,
Hab‘ ich die Scylla gesehn. Es verdreußt, wie umsonst ich in Demut
Schmeichelte, fleht‘ und verhieß, liebkost‘ und beschwur, zu erzählen.
Aber wofern du wartest in Zaubertönen, so töne
Zauber dein heiliger Mund: wofern siegreicher das Kraut ist,
Brauche die wirksame Kraft des wohlerprobeten Krautes.
Nur nicht schaffe Genesung, noch heile mir, bitt‘ ich, die Wunden;
Denn das besserte nichts; laß teil an der Flamme sie nehmen!

Circe darauf (denn es hatte für solcherlei Gluten noch keine
So ein empfängliches Herz; ob nun in ihr selber der Grund sei,
Oder ob Venus es wirke, durch Sols Anzeige beleidigt)
Gibt ihm die Worte zurück: Du folgst der Verlangenden besser
Und die dasselbige wünscht und entbrannt von gleicher Begierd‘ ist.
O du verdienst, Anträge, so frei als grade, zu hören;
Und wenn du Hoffnung gewährst, dann, glaube mir, hörst du den Antrag.
Daß dir der Zweifel entschwind‘, und Vertraun beiwohne der Schönheit:
Ich, da Göttin ich bin, da der strahlende Sol mich gezeuget,
Da ich mit Kraute so viel und so viel mit Beschwörungen leiste,
Schmacht‘ ich, die Deine zu sein! Der Verachtenden sei ein Verächter,
Aber der Willigen hold; daß du zwo durch eines belohnest!

Als sie ihn also versucht: Erst soll, antwortete Glaukus,
Grünen im Meere das Laub und hoch auf Bergen das Meergras,
Ehe bei Scyllas Leben sich unsere Liebe verändert!

Unmutsvoll ist die Göttin, und weil sie ihn selbst zu verletzen
Weder vermag, noch liebend es will, so zürnet sie jener,
Welche der Gott vorzog; und gekränkt durch verschmähete Liebe,
Reibt sie sofort ein Gemisch unlöblicher Kräuter zusammen,
Schrecklich von Saft, und gesellt hekateïscher Worte Beschwörung.
Dann in finstre Gewande den Leib einhüllend, enteilt sie
Durch anschmeichelnder Tiere Gewühl aus umbauetem Vorhof;
Und den entgegenen Strand der zanklischen Felsen erreichend,
Rhegion, geht sie hinein in den wild aufbrandenden Strudel,
Wo sie den Tritt aufsetzet, als wär‘ es gediegenes Ufer,
Und mit trockener Fers‘ auf den oberen Wellen einherläuft.

Eng verlor sich ein Busen in schweifendes Felsengewinde,
Scyllas liebliche Ruhe, wohin vor den Gluten des Himmels
Und des Meers sie entwich, wann Sol in der Mitte des Umlaufs
Machtvoll schien, von der Scheitel die kürzesten Schatten erstreckend.
Diesen verfälscht sie zuvor mit mißgestaltenden Giften
Trübend, und sprengt ihm Seime, gedrückt aus schädlicher Wurzel;
Dann im Gewirr seltsamer Beschwörungen tönet sie dreimal
Neunfach kehrende Worte mit magischer Laute Gemurmel.

Scylla kam und taucht‘ in die Flut bis zur Mitte des Bauches.
Als sie geschändet den Schoß von bellenden Ungeheuern
Schauete: erst nicht glaubend, dem eigenen Leibe sei jenes
Anwachs, bebt sie zurück und verscheucht mit Entsetzen das schamlos
Grinsende Hundegewühl; doch sie schleppt, was sie flieht, mit sich selber.
Suchend den Wuchs der Hüften, der Schenkel hinab und der Füße,
Findet sie Zerberusrachen umher, und auf rasendem Scheusal
Stehet sie; unten hervor arbeitende Rücken der Beller
Sind im verstümmelten Schoß und gebläheten Bauche verhaftet.

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